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4. März 2014 - 17:00h | Aktualisiert: 4. März 2014 - 17:02h

Mit viel Technik und Phantasie enden Paraden im Sambódromo von Rio de Janeiro

Zico, Senna, Kindheit, Rio de Janeiro - vielfältige Themen bestimmen farbenfrohe Sambaparaden

Auch der zweite und für dieses Jahr der letzte Tag der Paraden der Spezialgruppe im Sambódromo Marquês de Sapucaí in Rio de Janeiro war gekennzeichnet von mehrere Meter hohen Allegorien, akrobatischen Einlagen und Themen, welche das Publikum bewegten. Geehrt wurden mit den Darbietungen unter anderem der 1994 verstorbene Rennfahrer Ayrton Senna sowie “Zico”, eins der brasilianischen Fußballidole. Aber auch die Natur, die Kindheit, Pernambuco und Rio de Janeiro selbst wurden phantasievoll dargestellt.

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Stehenden Applaus ernteten die Sambaschulen Unidos da Tijuca und Imperatriz Leopoldinense, die ihre Darbietungen zwei beliebten Persönlichkeiten widmeten, Ayrton Senna und “Zico. Portela beeindruckte hingegen mit ihren luxuriösen Kostümen und herausragenden Allegorien. Leicht wird es die Jury jedenfalls nicht haben angesichts all der Höhepunkte, die von den zwölf Sambaschulen geboten wurden. Bis der Sieger feststeht müssen sich die Karnevalfans allerdings noch ein wenig gedulden. Bekannt gegeben werden die Ergebnisse erst am Aschermittwoch.

Eröffnet wurde der Reigen von der Sambaschule Mocidade Independente de Padre Miguel. Sie erzählte mitviel Kreativität die Geschichte des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco und erinnerte an den Karnevalesken Fernando Pinto. Zur Überraschung des Publikums wählten sie aus den Reihen der Zuschauer Männer und Frauen, die kurzerhand in ein Raumschiff gesteckt wurden, und so an der Parade teilnahmen. Von den Problemen im Vorfeld der Paraden war den 3.800 Teilnehmern bei ihrem Desfilee nichts anzumerken. Erst Anfang Februar war Präsident Paulo Vianna unter den Vorwürfen, Unterschriften gefälscht zu haben, von seinem Amt zurückgetreten.

União da Ilha do Governador verwandelte das Sambódromo in ein riesiges Kinderzimmer, gefüllt mit allerlei Spielzeug. Nach dem Motto “zurück in die Kindheit” ließen sie Drachen steigen, spielten Seilspringen, ließen die Zinnsoldaten aufmarschieren und sorgten mit akrobatischen Einlagen für Aufsehen. Mit dabei waren zwei Mitglieder des Cirque du Soleil sowie zwei Australianer. Letztere schwangen auf acht Meter hohen Stangen in luftiger Höhe hin und her und verteilten Spielzeug an das Publikum. Neben der Erinnerung an die Kindheit gab es aber auch den kritischen Hinweis “criança não é brincedo não” – ein Kind ist kein Spielzeug. Nur einmal hielten Zuschauer und Karnevalesken die Luft an. Ein riesiger Fernsehbildschirm hatte sich auf einem der Wagen gelöst und kippte herunter. Während das Problem schnell behoben wurde, brach kurz vor dem Ende der 700 Meter langen Strecke einer der Wagen und verursachte einen kleinen Stau. Die Schule konnte ihren Umzug aber dennoch rechtzeitig beenden ohne das Zeitlimit zu überschreiten.

Viel erwartet wurde von der Sambaschule Unidos de Vila Isabel, dem Vorjahressieger. Allerdings hatte die Schule ein Problem. Nicht alle Kostüme wurden rechtzeitig fertig. So gaben 70 Männer und Frauen ohne die Kostüme, sozusagen in “Unterwäsche” ihr Bestes. Der beeindruckenden Darstellung eines vielfältigen Brasiliens tat dies jedoch keinen Abbruch. Phantasievoll zeigten sie die verschiedensten Biome vom Atlantischen Regenwald, über die Pampa im Süden des Landes und die Trockenvegetationen im Norden bis hin zum Amazonasregenwald. Riesige Chamäleons, Jaguar und Kaimane tummelten sich auf der Avenida und ebenso die Dämone der Naturzerstörung. Allerdings muss die Unidos de Vila Isabel mit Punktabzügen rechnen. Mit 89 Minuten überschritt sie das Zeitlimit um sieben Minuten.

Karneval Zeca
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Arthur Antunes Coimbra, besser bekannt als “Zico”, erhielt von der Sambaschule Imperatriz Leopoldinense ein besonderes Geschenk zu seinem 61. Geburtstag. Dem beliebten Fußballcrack widmeten sie ihre Allegorien und Darbietungen. Zico wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Dargestellt wurde dies von einer Gruppe Jugendlicher, die in Sozialprojekten der Favelas ausfindig gemacht wurden. Bei der Parade beeindruckten sie das Publikum mit ihrer professionellen Akrobatik rund um den Ball. Absoluter Höhepunkt war indes der letzte Wagen. Dort trohnte auf einer Krone das Idol “Zico”. Der hatte jedoch Probleme zu Ende des Umzuges vom Wagen zu kommen. Das lag nicht an technischen Problemen. Wer ihn nicht gehen ließ, war das Publikum. Das spendete ihm tosenden Beifall und rief immer und immer wieder im Chor “Zico, Zico”.

Mit imposanten Allegorien und einem Meer an Farben wartete Portela auf, um die Geschichte Rio de Janeiros zu erzählen. Da bildeten hundert Baianas ein wogendes Meer und erwachte die “Belle Époque wieder zum Leben. Zum Erstaunen brachte die Portela das Publikum mit dem Adlerwagen. 21 kleine und große Adler, dem Wahrzeichen der Sambaschule, umringten den Wagen und zwei von ihnen flogen sogar durch das Samódromo, den typischen Adlerruf ausstoßend. Erzielt wurde der Effekt mit Hilfe von ferngesteuerten Drohnen. Damit der Technik nicht genug. Ausgefeilt war ebenso die Beleuchtung, die für beeindruckende Spezialeffekte sorgte. Mit ihrer Darbietung gilt die Portela sicherlich als einer der Favoriten.

Tosenden Beifall gab es ebenso für die Traditionsschule Unidos da Tijuca. Sie ehrten das unsterbliche Idol Ayrton Senna. Der Formel-1-Fahrer war zwar bereits 1994 bei einem Rennen in Italien ums Leben gekommen, brachte das Sambódromo aber zum Toben. 3.600 Karnevalesken verwandelten sich in rasende Tiere und Geschwindigkeitsphänomene aus Natur, Kino und Technik wie Figuren aus dem Film “Speed” sowie den Transrapid. Phantasivoll dargestellt wurden ebenso gefährliche Kurven und der Boxenstopp.

Am Ende des Umzugs konnten die Mitglieder der Unidos da Tijuca kaum schnell genug die Avenida Marquês de Sapucaí verlassen, schon hatte das Publikum ihren Platz eingenommen, um zu Sambarhythmen zu tanzen.

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