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3. März 2014 - 16:34h | Aktualisiert: 3. März 2014 - 16:40h

Gigantische Allegorien beeindrucken bei ersten Sambaparaden der Eliteschulen in Rio de Janeiro

Spezialeffekte, akrobatische Einlagen und gigantische Skulpturen begeistern Publikum

In ein farbiges Meer tauchten gestern Nacht die sechs Sambaschulen der Grupo Especial das Sambodrom Marquês de Sapucaí in Rio de Janeiro. Die Eliteschulen widmeten sich der Geschichte Brasiliens, den aus Afrika stammenden Traditionen und der Natur und stellten diese mit gigantischen Allegorien und tausenden kostümierten Mitgliedern phantasievoll dar. Nicht nur einmal gab es begeisterte Rufe aus den Zuschauerreihen. Vor allem die Darbietungen von Beija-Flor, Salgueiro und Mangueira beeindruckten mit ihrer Präsentation.

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Alle Sambaschulen zeigten Kreativität bei der Umsetzung der von ihnen gewählten Themen. Spezialeffekte, akrobatische Einlagen und gigantische Skulpturen, farbenprächtig geschmückt brachten das Publikum im vollbesetzten Sambódromo zum Staunen. Zwischenfälle gab es wenige und alle Schulen schafften es, ihre Paraden rechtzeitig innerhalb des vorliegenden Zeitlimits von 82 Minuten zu beenden. Nur die Acadêmicos do Salgueiro machten es spannend, als nach 81 Minuten immer noch nicht alle Mitglieder die Avenida verlassen hatten. Doch auch ihnen gelang es letztlich in quasi letzter Sekunde, die Ziellinie zu überschreiten. Ein wenig mit der Höhe verkalkuliert hatten sich die Techniker der Estação Primeira de Mangeira. Der Kopf einer ihrer Skulpturen blieb an einem Bogen hängen, der über die Avenida führt und den Kameramännern zum Filmen dient. Sekundenlang hielten Zuschauer und Sambisten die Luft an, bis mit einem Ruck die Skulptur auf der anderen Seite des Bogens wieder auftauchte. Der Kopf der Allegorie ein wenig lädiert ging es ohne weitere Probleme weiter.

Den Auftakt zu dem einzigartigen Spektakel gab die Sambaschule Império da Tijuca. Diese war im vergangenen Jahr nach 16 Jahren wieder von der Serie A in die Elitegruppe aufgestiegen und wollte nun beweisen, dass sie zurecht dazu gehört. Von Afrika nach Brasilien lautete ihr Motto, das sie gekonnt und mit viel Phantasie umsetzte. Im Vordergrund standen die verschiedenen Rhythmen, die von den Sklaven mitgebracht wurden und die heute die musikalische Kultur Brasiliens prägen. Wie auch einige der anderen Schulen nahm sich ebenso das Império da Tijuca der Religion an, dem Candomblé, dem Capoeira und den beliebten traditionellen Volksfesten Brasiliens. “Vai tremer, o chão vai tremer” (Er wird zittern, der Boden wird erzittern) sangen die “Puxadores” und es sah beinahe tatsächlich so aus, als würde die Avenida unter den tausenden Beinen der Karnevalesken erzittern.

Die Acadêmicos da Grande Rio widmeten ihre Präsentation der Stadt Maricá, die in der Region der Seenplatte Rio de Janeiros (Região dos Lagos) liegt. Die Stadt feiert dieses Jahr ihr 200-jähriges Bestehen. Maricá ist aber auch ein Baum, der typisch ist für den Atlantischen Regenwald und die Uferregion der Flüsse und Bäche. So kamen auch die Darstellungen der Natur in den Allegorien nicht zu kurz. Mit dabei war ebenso Charles Darwin, der in Maricá einst eine seiner Expeditionen durchführte. Darüber hinaus wurde die Sängerin Maysa gehuldigt, die in den 70er Jahren in Maricá lebte. Einer der Höhepunkte der Parade war eine lebende Kanonenkugel. Auf dem ersten allegorischen Wagen flog ein Pirat als Kanonenkugel durch die Luft und landete in einem Netz, das über tanzenden Riesenkrabben aufgespannt war.

São Clemente, die für die Darstellung sozialkritischer Themen bekannt ist, enttäuschte auch dieses Jahr nicht. Sie nahm sich den Favelas Rio de Janeiro an. Da tanzten die Karnevalesken mit den typisch aufeinander geschachtelten Häusern der Favelas auf Kopf und Schultern drapiert und erschien der Teleférico (Seilbahn), der zur Favela Complexo do Alemão hinauf führt. Mit viel Humor erzählten sie vom Leben in der Favela, von der Armut, aber auch von der Hoffnung und der Kreativität der Bewohner der Favelas. Angetan von der originellen Umsetzung des Themas stimmte das Publikum mit in den Samba ein und sang den Text lautstark mit. Emotionen erweckte aber auch der letzte Wagen der Schule, mit dem die “Favela der Zukunft” gezeigt wurde, ein Stadtteil in Harmonie und Frieden.

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Mit besonderen Lichteffekten, einem Tamborin-Orchester sowie der originellen Darstellungen der verschiedensten Volksfeste Brasiliens und deren Geschichte wartete die Estação Primeira de Mangueira auf. Erzählt wurde auf diese Weise auch die Vermischung der verschiedenen Kulturen und Völker Brasiliens, der Indios, Afrikaner und Europäer. Farbenprächtig dargestellt wurden die “Festa Junina”, das Traubenfest im Süden Brasiliens, das Fest “bumba-meu-boi” und ebenso die Gay-Parade in São Pauolo. Mit über 4.500 Teilnehmern war die traditionsreiche Schule bisher die größte auf der Avenida des Sambodroms.

Begeistert begrüßt wurde die Acadêmicos do Salgueiro. Gaia, der Planet Erde war ihr Thema, das sie mit ihren imposanten Allegorien und kreativen Blöcken beeindruckend umsetzte. Im Vordergrund stand die Natur, die es zu schützen gilt. Für Auffsehen sorgte ein Effekt, bei dem eine Ballettänzerin über einer Kugel zu schweben schien. Aber auch die Allegorien der vier Elemente und einige der Blöcke gebildet von 4.100 Teilnehmern sorgten für stehenden Applaus. Nicht fehlte ebenso der Ruf “Campeã, campeã”, Sieger, Sieger.

Dem Thema Kommunikation hatte sich die traditionsreiche Sambaschule Beija-Flor de Nilópolis angenommen, die im vergangenen Jahr den Vize errang. Erzählt wurde die Geschichte der Kommunikation von ihren Anfängen mit der Erfindung der Schrift und dem Papyrus über die Buchpresse Gutenbergs bis hin zum Internet. Auch der Auftritt der „Kolibris“ war viel beachtet und sorgte für jede Menge Applaus. Die Jury wird es sicherlich nicht leicht haben, einen Gewinner zu küren, zumal heute abend noch weitere sechs Schulen der Spezialgruppe auf der 700 Meter langen Paradestrecke ihre Arbeiten zeigen werden.

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