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2. März 2014 - 23:26h | Aktualisiert: 2. März 2014 - 23:26h

Starker Regen beeinträchtigt Sambaparaden in Manaus

Publikum flüchtet von den Tribünen - Motivwagen rutschen weg

Die fünfte Jahreszeit macht auch vor Amazonien nicht halt. Eine der Karnevalsattraktionen in Manaus sind die Paraden der Sambaschulen. Allerdings beeinträchtigte in der Nacht vom Samstag auf Sonntag starker Regen die Präsentationen im örtlichen Sambódromo. Während die Karnevalesken versuchten, den Regen zu ignorieren, suchten etliche Zuschauer das Weite.

manaus

Insgesamt acht Schulen der Hauptgruppe zeigten im Sambodrom ihre Arbeiten und ihr Können. Vor allem die Geschichte Manaus, Amazoniens und der Völker Brasiliens fanden Niederschlag in den Paraden. Aber auch Themen wie der Kampfsport oder die Geschichte des Motorrades wurde von den Sambaschulen phantasievoll dargestellt. Mit Allegorien geehrt wurden zudem wichtige Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci.

Die einzige Schule, die dem Regen entging, war die Andanças de Ciganos. Sie hatte allerdings erst am Vortrag des Auftritts die öffentliche Zuschüsse für den diesjährigen Karneval erhalten. Wegen der eingeschränkten finanziellen Mittel fiel ihr Auftritt ein wenig einfacher aus, mit weniger Allegorien und weniger Kostümgruppen. Die Schule versuchte jedoch, das Beste daraus zu machen und widmeten sich der Rua Marechal Deodoro, dem populären Einkaufszentrum von Manaus. Abgesehen von den finanziellen Problemen waren sie aber auch bei ihrem Auftritt vom Pech verfolgt. Einer der allegorischen Wagen hatte Probleme, wodurch große Lücken zwischen den einzelnen Blöcken entstanden.

Während im Zentrum und Süden Brasiliens der Fußball die Sportart Nummer eins ist, stehen im Norden andere Sportarten im Vordergrund. Manaus wartet unter anderem mit einem Champion bei den Mixed Martial Arts (MMA) auf, José Aldo. Ihn ehrte die Sambaschule Unidos do Alvorada. Die zeigte in ihren Allegorien und Blöcken auch andere Kampfarten wie den brasilianischen Kampf-Tanz Capoeira oder das Boxen. Als Motivwagen vertreten war auch die “imaginäre Angst”. Leicht hatten es die Schule allerdings nicht. Als die ersten Mitglieder der Vereinigung die Avenida des Sambodroms betraten setzte ein starker Regen ein, der über eine halbe Stunde lang auf die Karnevalesken in ihren Kostümen hernieder prasselte. Beinahe wäre sogar der Wagen mit dem Champion auf der Regenglatten Avenida weggerutscht. Mit Muskelkraft konnte er jedoch zu stehen gebracht werden.

Mit 4.000 Mitgliedern aufgeteilt auf 30 Blöcke erinnerte die Vereinigung Vitória Régia an das Ende der Sklavenzeit. Während es schon aufklarte, zogen sie mit dem allegorischen Wagen, der die einzelnen Blöcke eröffnet, ins Sambodrom ein. Der Wagen symbolisierte die Reichtümer Afrikas. Mit einem Schiff, dem Navio Tumbeiro, wurde das Leiden und der Schmerz dargestellt, den die Menschen Afrikas erlebten, als sie als Sklaven in die “neue” Welt verkauft wurden. Die Schule beeindruckte mit ihrer Präsentation, wird jedoch mit Punktabzügen rechnen müssen. Die Karnevalesken schafften es nicht, in der maximal zulässigen Zeit von 70 Minuten ihre Präsentation zu beenden, sondern überzogen um zwei Minuten.

Eine der ältesten Sambaschulen Manaus‘ ist die Aparecida. Sie trat als fünfte Gruppe ins Sambódromo und widmete sich dem Zentrum der Hauptstadt Amazoniens sowie seiner Seele und seinen Völkern. Umgerechnet etwa 260.000 Euro investierte die Schule in ihren Auftritt. Sie erinnerte an die “Belle Époque”, die Epoche aus der auch die historischen Gebäude von Manaus stammen und Luxus und Schönheit vermittelten die Baianas.

Durch die Legenden Amazoniens führte Balaku Blaku. In ihren Allegorien spielten sie mit dem Mysterium des Wassers von Amazonien, den Flüssen und Sümpfen. Im Text des Samba ging es um die Insel Marapatá, dem Eingangstor von Manaus, der Insel der Mythen und Legenden. Der großen Dame des Theaters, der Schauspielerin Ednelza Sahdo, galt die Präsentation der Grande Familia.

Die Vereinigung Reino Unido da Liberdade begeisterte das Publikum, das trotz des Regens noch ausgehalten hatte, mit ihrem Sambatext “No Reino do Carnaval, já sorri, chorei e sambei… E a Liberdade conquistei!” – Im Reich des Karneval habe ich schon gelacht, geweint und Samba getanzt… und die Freiheit erorbert). Sie brachten die Orixás, die Götter des Candomblé ins Sambodrom. Zudem erzählten sie die Geschichte der eigenen Sambaschule sowie der Festivitäten Amazoniens.

Die Geschichte des Motorrades hatte es der Sambaschule Sem Compromisso angetan. Sie ehrten auch Leonardo da Vinci, der bereits das gezeichnet hatte, was Jahrhunderte später ein Motorrad werden sollte. So wurden bei den Allegorien Zeichnungen und Bilder da Vincis präsentiert. Vertreten waren ebenso verschiedene Unternehmen, die im Industriegebiet von Manaus Motorräder produzieren. Während es bei der Darbietung auch um die Geschwindigkeit ging, hatten die Karnevalesken indes Zeitprobleme. Sie überzogen die zulässige Zeit um eine Minute.

Nur noch wenige Zuschauer befanden sich auf den Rängen, als am frühen Morgen mit die letzte Sambaschule ihren Parcour beendigt hatte. Die Teilnehmer nahmen es gelassen. Ziel war es ihre Künste zu präsentieren und das war ihnen gelungen. Wer gewonnen hat, ist indes noch offen. Verkündet wird das Ergebnis direkt in der „Wettkampfstätte“ am frühen Montagnachmittag.

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