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2. März 2014 - 19:43h | Aktualisiert: 2. März 2014 - 19:44h

Glück, Glaube und Fußball prägen Paraden der zweiten Karnevalsnacht von São Paulo

Fussballstar Ronaldo stiehlt mit imposanten Auftritt allen die Schau

Farbenprächtig war auch die zweite Nacht der Sambaparaden in São Paulo. Dieses Mal lief der Marathon zur Erleichterung der Teilnehmer nahezu ohne Regen ab. Mit überschwänglichen allegorischen Wagen und phantasievollen Kostümen beeindruckten die sieben Sambaschulen die Zuschauer im Sambódromo do Anhembi. Von der Glückseligkeit über den Glauben bis hin zum Fußball reichten die Themen der restlichen sieben Sambaschulen der Spezialgruppe.

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Den Auftakt gab die Sambaschule Pérola Negra. Ihr Motto war die “Felicidade”, die Fröhlichkeit oder der Frohsinn, der mit dem Glück gepaart einhergeht. Entsprechend fröhlich waren die Farben. Die Avenida verwandelte sich in ein orange-gelbes Meer, gebildet von 3.000 Teilnehmern in den phantasievollsten Kostümen. Probleme gab es allerdings mit dem zweiten Wagen. Hektisch wurde versucht, mitten auf der Avenida das Problem zu beheben. Kurz vor Ende der Parade löste sich zudem bei einer Fahnenträgerin das Kostüm in seine Einzelteile auf. Mit Punktabzügen muss die traditionsreiche Pérola Negra deshalb wohl rechnen.

Auf den Fußball, und im speziellen auf Ronaldo-Fenômeno (Ronaldo das Phänomen) setzten die Gaviões da Fiel. Familie und Freunde von Ronaldo, alle waren sie dabei. Ein ganzer Flügel tanzte in rot-schwarz gekleidet, den Farben des Fußballclubs Corinthians, dem Herzensclub von Ronaldo – und das zum Samba, der eigens für Ronaldo geschrieben wurde. Erzählt wurde die Geschichte des Cracks. So schneite es von einem der allegorischen Wägen, der die Ankunft Ronaldos in Europa darstellte. Er selbst erschien als gigantische Skulptur mit Flügeln, als Phänomen eben, und auf dem letzten Wagen tanzte er neben seiner Mutter unter den Rufen des Publikums.

Für die Sambaschule Mocidade Alegre wurde es knapp. Sie schafften es buchstäblich in aller letzter Sekunde, ihre Parade zu beenden, für die maximal 65 Minuten zugelassen sind. Bevor es soweit war, begeisterten sie allerdings die Zuschauer des Sambodroms. Mit ihren überschwenglichen allegorischen Wägen und tanzenden Blöcken stellten sie die verschiedenen Formen des Glaubens dar. Vom Christentum über den Candomblé mit seinen afrikanischen Wurzeln bis hin zur Numerologie und dem Horoskop gingen ihre äußerst Kreativen Darstellungen. Mit seiner gekonnten Darbietung gilt der zweifache Champion sicherlich als einer der Favoriten auf den Titel.

Um die verbotene Liebe, aber auch um die Überwindung schwieriger Lebenssituationen ging es bei der Sambaschule Nenê de Vila Matilde. Im Block “brinco de ouro” beeindruckte eine junge Frau das Publikum. Trotz eines amputierten Beines tanzte sie die Avenida entlang Samba, mit Hilfe einer Krücke. Erzählt wurden aber auch die Geschichten heimlicher Lieben, wie die des brasilianischen Kaisers Dom Pedro I., von Kleopatra und Marc Antonio und von Picasso mit seinen vielen Liebschaften. Auch der brasiliansiche Klassiker “Dona Flor und ihre beiden Ehemänner” fehlte nicht.

Karneval Zeca
Wo am Vortag heftiger Regen gefallen war, erhellte in der Nacht zum Sonntag (3.) Fußball-Legende Ronaldo die Paradestrecke im Sambódromo do Anhembi in São Paulo. In der Millionenmetropole gingen weitere sieben Sambaschulen im Kampf um ... mehr »

Bei Nieselregen zog die Sambaschule Águia de Ouro die Avenida im Sambodrom entlang. Sie entführten das Publikum auf eine Reise in den brasilianischen Bundesstaat Bahia. Darüber hinaus ehrten sie den verstorbenen, aber unvergessenen Musiker Bahias Dorival Caymmi, der als gigantische Skulptur mit Gitarre in der Hand auf dem Schlußwagen erschien.

Für einen imposanten Auftritt sorgte ebenso die Sambaschule Império de Casa Verde. Sie machten ihrem Namen alle Ehre und widmeten ihre Parade der Mutter Erde. In Kostümen, welche die vier Elemente der Erde darstellten, gaben die Sambamusiker den Rhythmus vor. Die Baianas tanzten als Element Wasser und ein allegorischer Wagen stellte mit Neptun als Hauptfigur das Abwassersystem dar. Abfall, industrielle Revolution und Natur vereinigten sich im Sambadrom von Anhembi.

Das Schlußlicht bildeten am frühen Sonntagmorgen die Acadêmicos do Tatuapé. Ihr Auftritt stand unter dem Thema des in Brasilien so beliebten Heiligen Sankt Georg. Mit ihren allegorischen Wägen und den Blöcken stellten sie das Leben des heiligen Mannes dar, aber auch die Ehrerbietungen, die ihm dargebracht werden. Nicht fehlte ebenso die Vermischung des Sankt Georg mit dem Candomblé. Weil die afrikanischen Sklaven ihre Götter nicht verehren durften, benutzten sie die katholischen Heiligen als Deckmäntel. So wurde ihr Kriegsgott Oxum zum Sankt Georg.

Viele der Schulen hatten das Publikum begeistert. Wer den Titel holen wird, ist aber noch offen. Nach der zweiten Nacht der Grupo Especial im Karneval von São Paulo werden jetzt erst einmal die Punkte ausgezählt. Bekanntgegeben wird das Ergebnis allerdings erst am Dienstagnachmittag.

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