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2. März 2014 - 16:20h | Aktualisiert: 2. März 2014 - 16:24h

Missverständnisse im Karneval: Sambaparaden vs. Straßenumzüge

Deutsche Medien tun sich mit dem Unterscheiden sichtlich schwer

Auch nach Jahren der Berichterstattung fällt es deutschen Medien zunehmend schwer, differenziert über den Karneval in Brasilien zu berichten. Immer wieder werden die verschiedensten Umzüge im ganzen Land in einen Topf geworfen, so dass sich dem Zuschauer ein völlig falsches Bild aufdrängt. Wie am heutigen Karnevalssonntag auf tagesschau.de. In den Kurznachrichten am Vormittag wurden dem närrischen Treiben in Brasilien stolze 24 Sekunden voller farbenfroher Bilder gewidmet, der Off-Ton passte da allerdings nur bedingt dazu.

Straßenkarneval in den närrischen Hochburgen

Dass im ganzen Land Straßenkarneval stattfindet, ist schon richtig. Und auch die Hochburgen Rio de Janeiro, São Paulo, Recife und Salvador wurden von der Redaktion richtig angegeben. Je Umzug kommen da gerne ein bis zwei Millionen Menschen zusammen, doch die tanzen in der Regel weder die bekannten Samba-Enredos noch sind sie in den im Beitrag eingespielten Sambakostümen zu bewundern. Hier wird sich als Jesus, Papst, Super Mario, Ballerina, Zombie, Clown oder Cowboy verkleidet – auch viele Kinder sind bei Umzügen, die fast ausschliesslich tagsüber stattfinden, mit dabei. Und es ist im Übrigen fast immer Marschmusik, Pagode oder Axé, welche die die Massen zum Tanzen animiert.

12878622024_068a2a7a3fStraßenkarneval in Rio de Janeiro: Verkleiden ist keine Pflicht, macht jedoch Spaß

Sambaparaden im Sambódromo

Die endlos sich wiederholenden Samba-Enredos sind nämlich in Wahrheit nur in den Sambódromos von Porto Alegre bis Manaus zu hören. Und auch in São Paulo und Rio de Janeiro finden solche bis zu 80 Minuten dauernden Paraden mit mehreren tausend Teilnehmern statt. Sie sind jedoch Teil eines knallharten Wettbewerbs, bei dem sich die Sambaschulen der jeweiligen Stadt untereinander messen. Es geht um Sieg oder Niederlage. den schlechtesten droht wie beim Fußball der Abstieg. Und wie beim Kampf um den runden Ball benötigt man als Zuschauer ein Ticket. Und gerade am Zuckerhut müssen diese Eintrittskarten für teures Geld gekauft werden.

In den vergangenen beiden Nächten fanden in Rio de Janeiro die Paraden der 2. Liga, der sogenannten Serie A oder Aufsteigergruppe statt. Von diesem Spektakel stammen auch die eingespielten Bilder. Übertragen wurden die Paraden nur im Regional-TV und im Internet.

12872104095_7c68d9b481Die Sambaparaden im Sambódromo sind Teil eines knallharten Wettbewerbs

Anders sieht es in den kommenden zwei Nächten aus. Dann defilieren, wie die Tagesschau richtig bemerkt, die 12 besten Schulen der Sambametropole gegeneinander an. Dann kann das Spektakel in ganz Brasilien und in über 100 Ländern weltweit verfolgt werden.

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