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1. März 2014 - 19:16h | Aktualisiert: 1. März 2014 - 19:52h

Auftakt der Sambaparaden in São Paulo von starkem Regen begleitet

Rosas de Ouro, Dragões da Real und Vai-Vai Favoriten der ersten Sambanacht

Schwerer Regen und Graupelschauer begleitete gestern Nacht den Auftakt der Sambaparaden in São Paulo. Die Karnevalesken der Grupos especiais (Sondergruppen) gaben dennoch ihr Bestes und begeisterten das Publikum im Sambodrómo do Anhembi. Ein kopfüber baumelndes Schloss, eine gigantische Marionette, die von 20 Karnevalisten gespielt wurde und eine ausgefeilte Fußballakrobatik sind nur einige der Beispiele, mit denen die sieben Sambaschulen am ersten Tag der Paraden die 30.000 Zuschauer in den Bann zogen.

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Die Teilnehmer der Sambaschule Leandro de Itaquera hatten gerade erst mit ihrem Zug begonnen, als es wie aus Kübeln zu schütten begann. Während etliche Zuschauer versuchten, sich vor dem Naß zu schützen, mussten die Karnevalesken ihr strahlendes Lächeln beibehalten. Obwohl die tropfnassen Kostüme und Kopfschmücke schwer wogen, schafften es die Mitglieder von Leandro de Itaquera dennoch den Rhythmus beizubehalten und mit ihren Alegorien und 2.500 Komponenten die Welt der „Copa do Mundo“, der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft darzustellen. Natürlich fehlte auch die Anspielung nicht, dass sich Brasilien im Juni den sechsten Weltmeistertitel holen wird. Ob dem so sein wird, ist freilich noch offen. An Fußballikonen fehlt es dem südamerikanischen Land jedenfalls nicht. Die größte unter ihnen, Pelé war bei der Parade dabei und tanzte ausgelassen unter einer riesigen Krone.

Mit einem harmonischen Zusammenspiel der Tänzer und Karnevalsfiguren überzeugte die Sambaschule Rosas de Ouro. Mit viel Kreativität stellten sie die Ergebnisse einer Umfrage dar. “Welche Person hat ihr Leben geprägt?”, so der Titel der Umfrage. Herausgekommen ist ein buntes Gemisch von Berühmtheiten, die von den Integranten der Rosas de Ouro gekonnt dargestellt wurden, wie Charly Chaplin, Marylin Monroe, Michael Jackson und auch das Christuskind.

Während es immer wieder regnete zeigten die Sambistas von X-9 Paulistana eine verrückte Welt mit Teufeln, Engeln, Graf Dracula und einem riesigen Schloss, das kopfüber baumelte, während Seilakrobaten als Synapsen des Gehirns an einem anderen Wagen mit ihrem Können faszinierten. Nicht alles lief glatt. Ein paar der Baianas konnten nicht mit auftreten, weil die nassen Kostüme zu schwer waren und die Baiana es nicht rechtzeitig schafften, sich mit den weiten Schwingröcken und dem sperrigen Madonna-Büstenhalter auf ihrem Platz in der Parada aufzustellen. Als sie später die Bilder von ihren Kolleginnen auf den riesigen Leinwänden sahen, blieben ihre Augen nicht trocken. Bei anderen Kostümen musste angesichts des Regens die LED-Beleuchtung abgeschaltet bleiben.

Mit 3.200 Komponenten zogen die Dragões da Real durch das Sambódromo und stellten somit die größte Schule des abends dar, was die Anzahl der Mitglieder betrifft. Natürlich war bei ihnen auch ein Riesendrache mit dabei, der kopfschwenkend Rauch ausstieß. Ihr Thema waren den 70er und 80er Jahre. Also tanzten magische Würfel, Legos sowie ET und Darth Vader an den Zuschauern vorbei. Ein wahres Gruselkabinett stellte den Thriller von Michael Jackson dar.

In die magische Welt der Kinder ließ Acadêmicos do Tucuruvi die Zuschauer eintauchen. Da bevölkerten Zwerge und Elfen, Bienen und Teddies das Sambódromo und die Baianas traten als Stoffpuppen auf. Abgesehen von der fröhlichen Präsentation brachten die Acadêmicos do Tucuruvi aber auch eine Kritik vor und riefen dazu auf, besser auf die “Kleinen” zu achten und mehr in die Erziehung zu investieren.

Karneval Zeca
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Eine Aneinaderreihung von Höhepunkten boten die Bewerber vonr Vai-Vai. Sie imponierten mit einem Wasserfall und einer über zehn Meter hohen Marionette, deren Fäden von 20 Karnevalesken gezogen wurde, so dass es aussah, als würde die Marionette marschieren. Gekonnt erzählte Vai-Vai mit ihrer Parade von den Kaffee-Baronen, der Befreiung der Sklaven und dem Militärputsch. Dargestellt wurde ebenso die Ölindustrie und die Kultur.

Pech, hatte die Sambaschule Tom Maior. Ausgerechnet vom Wagen abre alas, der die einzelnen Blöcke der Parade öffnet, brach beim Eintritt ins Sambódromo die Achse. Hektisch wurde versucht, das Malheur zu richten, während die Zeit auszulaufen drohte. Trotz der Probleme gelang es den Integranten letztlich jedoch dennoch ihren Percours im vorgeschriebenen Zeitlimit durchzuführen, während der defekte Wagen von Gabelstaplern gezogen wurde. Während sich die erste Nacht der Sambaparaden schon neigte und die Morgendämmerung einsetzte beeindruckten sie mit ihrer Geschichte über die Wasserfälle von Foz do Iguaçu im Dreiländereck Brasilien, Paraguay und Argentinien.

Am frühen Morgen neigte sich das Spektakel schließlich dem Ende zu. Eine gewisse Spannung lastet aber weiterhin auf den Karnevalesken, bis fest steht, wer gewonnen hat. Mit ihren herausragenden Darbietungen sind Rosas de Ouro, Dragões da Real und Vai-Vai sicherlich die Favoriten der ersten Sambanacht in São Paulo. Rosas de Ouro ist der doppelte Vize der vergangenen Jahre. Mit ihrer Darbietung haben sie zwar gute Chancen, dieses Jahr den Titel zu holen, allerdings ist die Konkurrenz durch die Dragões da Real und der Vai-Vai, die mit 14 Titeln der Rekordhalter unter den Sambaschulen São Paulos ist, groß.

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