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28. Februar 2014 - 19:01h | Aktualisiert: 28. Februar 2014 - 19:07h

Gigantischer Gockel im Karneval von Recife

27 Meter großer Hahn wird aus 28 Einzelteilen montiert

Wenn Samstagfrüh der Hahn kräht, beginnt in Recife im Bundesstaat Pernambuco ein einzigartiges Spektakel und das mit dem wahrscheinlich größten Gockel der Welt. Dem Gockel ist sogar ein eigener Block gewidmet, der “Galo da madrugada”, dem Gockel vom Tagesanbruch. Der sorgt am Faschingssamstag in Recife für gefüllte Straßen und ein einzigartiges Faschingsspektakel.

Als bloco, Block, werden die Gruppen bezeichnet, die im brasilianischen Karneval zu einem bestimmten Motto durch die Straßen ziehen. Der “Galo da madrugada” rühmt sich damit, der größte Block der Welt zu sein. Gegründet wurde er bereits 1977. Seitdem schlägt er sich jährlich selbst mit neuen Rekorden. Diesen Samstag wird er mit 30 Orchestern, 600 Musikern, 30 Trios elétricos und über 60 Attraktionen für die Unterhaltung der Karnevalesken sorgen.

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Wochen- und Monatelang waren über 1.300 Männer und Frauen damit beschäftigt, die verschiedenen Attraktionen des Blocks vorzubereiten. Nicht mit gezählt sind dabei die 5.000 Schneiderinnen, die mit dem Nähen der Kostüme beschäftigt waren, sowie tausende von weiteren freiwilligen Helfern, die auf die eine oder andere Weise dazu beigetragen haben, dass die überschwänglich geschmückten Alegorien rechtzeitig fertig wurden.

Die Hauptattraktion des Blocks Galo da madrugada ist, wie könnte es anders sein, ein Gockel. Es ist ein gigantischer Hahn, der seit Donnerstag auf der Brücke Duarte Coelho im Zentrum der Stadt Recife montiert wird. 27 Meter ist er hoch. In 28 Einzelteilen wurde er angefertigt. Schon der Kopf misst 2,5 Meter Höhe und sieben Meter Länge. Allein für sein Federkleid wurden 25.000 Büschel aus Plastik angefertigt. Um ihn bis zur Brücke zu bringen, waren sechs Lastwägen notwendig. Der Guliver unter den Gockeln selbst wiegt schlappe drei Tonnen. Zehnmal so schwer ist hingegen die Basis, auf der er montiert wurde.

Entworfen wurde der Meistergockel vom plastischen Künstler Sávio Araújo. Dieser hat beim Entwurf des Hahns nicht nur auf die Schönheit und Symbolträchtigkeit geachtet. So steht das Wahrzeichen des pernambucanischen Faschings auch für eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen. Die “Knochen” des Federviehs bestehen aus einem Metallgerüst, das jedes Jahr wieder verwendet wird. Das Metallgerüst wird lediglich neu eingekleidet. Statt Pappmaché kamen dabei indes Kokosnüsse zum Einsatz.

Der Saft der Kokosnüsse ist an den Stränden und auch an den Plätzen in den Großstädten Brasiliens im Sommer ein beliebtes Erfrischungsgetränk. Einmal ausgetrunken bleiben jedoch deren voluminösen Schalen zurück. Weil sie durchaus ein Abfallproblem darstellen, werden sie in verschiedenen Projekten recycelt, als Wertstoff benutzt. So auch beim “Galo da madrugada”. Ein Pulver aus zermahlten Kokosnüssen sowie Kokosfasern ergeben eine Masse, die wie Pappmaché verwendet werden kann. Die Kokosmasse hat neben dem Recycling noch den Vorteil, dass sie anders als Pappmaché nicht leicht entflammbar ist.

Der Gockel wird sich übrigens alle 15 Minuten um seine eigene Achse drehen während er kräht und singt und von über einer Millionen Menschen beobachtet wird. Freilich wird sich nicht nur alles um den Hahn drehen. Wenn in Pernambuco Karneval ist, werden die Straßen zur Bühne und zum Tanzboden. Es wird gestaunt, marschiert und getanzt, und das zu den frenetischen Rhythmen des Frevo, einer Musik, bei der die Beine nicht still stehen bleiben.

Fünf Tage lang wird Recife Kopf stehen. Dabei ist der Galo da madrugada längst nicht die einzige Attraktion. Vielmehr umfasst das Karneval-Programm 30 Seiten, voll gepackt mit Hinweisen zu Attraktionen und Veranstaltungen.

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