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12. Juni 2013 - 04:00h | Aktualisiert: 12. Juni 2014 - 15:09h

Das Schicksal der spektakulären Kostüme im Karneval von Brasilien

Fantasias werden wenn möglich verkauft oder wiederverwendet

Sie sind der Höhepunkt im alljährlichen Karnevalstrubel von Brasilien: die farbenfrohen Sambaparaden der besten Sambaschulen von Rio de Janeiro, São Paulo oder Manaus. In aufwändigen Verkleidungen defilieren pro Schule bis zu 4.000 Teilnehmer durch die speziell dafür errichteten Sambódromos und lassen sich vom Publikum feiern. Die zahlreichen unterschiedlichen „Fantasias“, so der brasilianische Name für die glitzernden Kostüme, wurden extra für diese Parade das ganze Jahr über in Handarbeit hergestellt. Da sie thematisch dem Motto der Parade angepasst wurden, können sie im Folgejahr nicht erneut verwendet werden. Was passiert also mit den Kostümen nach der ganz großen Präsentation?

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Zunächst einmal überleben nicht alle „Fantasias“ den mehr als einstündigen Tanzmarathon. Mal verheddert sich die Kopfbedeckung mit dem vom Nebenmann, ein anderes Mal lösen sich die Nähte beim wilden Herumhüpfen in Wohlgefallen auf. Zahlreiche kleine Applikationen wie Federn oder Straßsteine findet man anschließend zu genüge auf der Paradestrecke. Und wenn es ganz schlecht läuft, muss man die Parade im Regen absolvieren und kann froh sein, wenn man es mit seiner Verkleidung aus Stoff, Papier oder Pappmaschee bis ins Ziel schafft.

Doch viele Kostüme schaffen es tatsächlich heil durchs Sambódromo. Diese werden dann von den Sambaschulen „wiederverwertet“. Denn fast immer gilt für die Teilnehmer eine Rückgabepflicht, Kostüme können nämlich durchaus teuer sein. Fans des närrischen Treibens haben dann die Möglichkeit, die guten Stücke bei ihrer Lieblingsschule käuflich zu erwerben – als schöne Erinnerung an die heißen Nächte voller Rhythmus und Leidenschaft.

Die nicht so gut erhaltenen Fantasias werden wenn möglich in Einzelteile zerlegt und die Stoffe beispielsweise für den internen Nachwuchs zurückgelegt. Denn jede Sambaschule hat auch eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die ebenfalls vor tausenden begeisterten Zuschauern bei einem eigenen Wettbewerb durchs Sambódromo defilieren. Dort können dann mit abgewandelten Kostümen vom Vorjahr erneut Verwendung finden.

Manchmal sieht man die abgetragenen Schätze allerdings auch bei den zahlreichen Kinder-Straßenumzügen in den Stadtvierteln der Metropolen wieder. Denn in Brasilien gibt es nur wenig Geschäfte, die vernünftige Karnevals-Verkleidungen verkaufen. Brasilien ist eben nicht Deutschland, wo man bequem Kinderkostüme im Internet bestellen kann. Das mögen zwar keine ausgefallenen Fantasias sein, die einer Sambaparade würdig sind, aber manches Kind will ja auch viel lieber den Karnevalstrubel als Cowboy, Pirat oder Prinzessin miterleben.

Ganz anders wie beispielsweise in Rio de Janeiro, wo selbst kurz vor den närrischen Tagen in den Werkstätten noch rund um die Uhr gearbeitet wird und alle hoffen, dass die spektakulären Kostüme für die große oder auch kleine Parade rechtzeitig fertig werden. Um sie dann gleich anschließend einer weiteren Verwendung zuzuführen.

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