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7. Dezember 2012 - 19:06h | Aktualisiert: 7. Dezember 2012 - 19:10h

Sambódromo-Tickets für Ausländer unverhältnismässig teuer

Agenturen verlangen bis zum zweieinhalb-fachen des offiziellen Preises

Einmal muss man im Leben den Karneval in Rio de Janeiro mitgefeiert haben, heisst es schlechthin. Die größte Show der Welt im Sambódromo Marquês de Sapucaí zieht jedes Jahr Hunderttausende an, die
singend und tanzend auf den Tribünen die defilierenden Sambaschulen über die Paradestrecke begleiten. Doch gerade für ausländische Touristen ist das Spektakel kein billiges Vergnügen. Neben hohen Flug- und Hotelpreisen wird auch noch ein nettes Sümmchen für die begehrte Eintrittskarte fällig.

Wenn man keine Verbindungen nach Rio de Janeiro hat oder erst kurz vor närrischen Tagen in der Samba-Metropole und dem Zuckerhut eintrifft, bleibt einem oftmals nur die Bestellung der Tickets im Internet. Zahlreiche Webseiten werben mit exklusiven Paketen oder Einzel-Tickets für die Paraden der besten Sambaschulen der Stadt am Fastnacht-Sonntag und Rosenmontag. Und diese können nach Recherchen von Rio Karneval bis zum zweieinhalb-fachen dessen kosten, was die Vereinigung der Sambaschulen Liesa als Ausrichter selbst dafür verlangt.

Möglich macht dies ein nicht gerade einfach zu durchschauendes Konzept. Das Sambódromo ist ein Dutzend in Sektoren unterteilt und Sektor 9 ist traditionell für Touristen reserviert. Dieser Sektor wird auch generell beim offiziellen Vorverkauf ausgeklammert. Während die Einwohner der Stadt Rio de Janeiro und alle anderen Brasilianer im Umland oder anderen Bundesstaaten telefonisch Karten für die tropisch heissen Karnevalsnächte in anderen Sektoren bestellen und diese dann bequem bei einer lokalen Bank bezahlen können, bleiben Ausländern diese günstigeren Plätze inmitten der Einheimischen verwehrt. Denn ohne brasilianische Telefonnummer, Steuerkarte und Bankverbindung ist ein Kauf nicht möglich.

Daher haben sich mittlerweile zahlreiche Ticketanbieter und Reiseveranstalter auf den internationalen Kartenverkauf spezialisiert, nutzen diesen Vorteil jedoch zum eigenen finanziellen Vorteil auch kräftig aus. Zumal die Karten für den beschriebenen Sektor 9 im Vorfeld nur an Mitglieder der Vereinigung brasilianischer Reiseveranstalter abgegeben werden, welche dann wiederum die Preise in fast utopische Höhen schrauben. Eine kurze Internetrecherche zeigt dies deutlich auf.

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Kostet die Tribünenkarte für Sektor 9 direkt bei Liesa-Verkaufsstelle in diesem Jahr offiziell 500 Reais und damit knapp 185 Euro, so schwanken die Preise bei einer Internetbestellung derzeit zwischen 296 und 505 Euro. In Ausnahmefällen ist darin der Transport vom Hotel zum Sambódromo und ein Reiseleiter enthalten, in der Regel jedoch sind es die Kosten für das nackte Ticket, welches man, will man nicht noch mehr bezahlen, persönlich in einem Hotel an der Copacabana abholen muss.

Wer sich den Mehrpreis in die Tasche steckt, lässt sich nicht so leicht herausfinden. Die Branche gibt sich diesbezüglich wortkarg und verweist meist auf zusätzliche Dienstleistungen, die in dem höheren Preis enthalten seien. Doch bei reinen Ticket-Agenturen, wo man ebenfalls 400 Euro hinblättern muss, ist eben nichts anderes als die Beschaffung der Karte inklusive. Hier wird also kräftig an den Touristen abgesahnt, die ohnehin in der Millionenmetropole währende der Karnevalstage bis zum fünffachen Übernachtungspreis berappen müssen.

Wer also sein Ticket an den Tagen der schönsten Sambaparaden sicher haben will, dem bleibt wohl nichts anderes übrig, als im Vorfeld zu bestellen und die horrenden Preise zu akzeptieren. Wer jedoch schon ein paar Tage früher in Rio de Janeiro eintrifft cund flexibel ist, der kann sein Glück direkt bei der Vereinigung der Sambaschulen versuchen. Rund zwei Wochen vor Karneval kommen hier die eventuell vorhandenen Restkarten für Sektor 9 in den offiziellen Verkauf. Ein jeder kann dann an den offiziellen Verkaufsstellen sein Ticket für die besagten umgerechnet 185 Euro Normalpreis erwerben. Oder sich sogar noch günstigere Karten in anderen Sektoren des von Stararchitekt Oscar Niemeyer gestalteten Sambódromos sichern.

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