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7. Februar 2012 - 21:14h | Aktualisiert: 16. September 2013 - 21:34h

Beurteilung der Samba-Paraden

Kompliziertes Punkte-System bestimmt am Ende den Gewinner

Der Aufmarsch der einzelnen Schulen ist ein faszinierendes Spektakel und ein sehr ernst zu nehmender Wettbewerb untereinander, welcher von einer engagierten Jury mit Punkten belegt wird. Wie beim Sport, bieten die Paraden Unterhaltung, welche jedoch einem strikten Reglement unterliegt.

Reglement für Rio de Janeiro

Beim Karneval von Rio de Janeiro sind 40 Juroren im Einsatz – 4 für jeden der 10 zu bewertenden Inhalte:
«Bateria» – «Samba-Enredo» – «Harmonia» – «Evolução» – «Enredo» – «Conjunto» – «Alegorias e Adereços» – «Fantasias» – «Comissão de Frente» und «Mestre-Sala e Porta-Bandeira».

Es gibt keine Bewertung, die unter den Tisch fällt. Alle 4 Benotungen werden im Endergebnis berücksichtigt. Die Noten bewegen sich zwischen 7 (Minimum) und 10 (Maximum) und können in Zehntel unterteilt werden. Die Juroren werden von der «Liga independente das Escolas de Samba do Rio de Janeiro» (LIESA) ausgewählt, entsprechend ihrer professionellen Kapazitäten.

Alle Juroren-Mitglieder absolvieren einen Einführungs-Kurs bevor sie die Paraden bewerten dürfen. Die Reihenfolge der zu bewertenden Inhalte wird vor der Bekanntmachung ihrer Benotungen durch das Los bestimmt. Die Bewertung des letzten Inhalts dient dann zur Verhinderung eines Gleichstandes – sollte der Gleichstand trotzdem erreicht werden, werden die vorletzten Noten miteinander verglichen – und so fort.

Die Punkte werden am Aschermittwoch zusammengezählt und veröffentlicht – direkt nach Karneval. Die Sitzplätze der Juroren befinden sich entlang der Parade-Avenida (die meisten im Sektor 2, gegenüber des Sektors 7) und sind durch eine Flagge markiert, auf der “Juroren” zu lesen ist.

Damit unsere Leser die einzelnen Zusammenhänge besser verstehen können, hier eine Erklärung zu den oben erwähnten Bewertungs-Kategorien:

COMISSÃO DE FRENTE

Eine “Front-Kommission” ist das erste menschliche Kontingent, welches sich während einer Karnevalsparade präsentiert. Es besteht aus mindestens 6 und höchstens 15 Mitgliedern. Die Aufgabe einer “Comissão de Frente” ist es, das Publikum zu begrüssen und ihre Samba-Schule zu repräsentieren. Von den Juroren wird die perfekte Koordination und Harmonie der Bewegungen ihrer Mitglieder beurteilt. Heutzutage ist man zu einer eher theatralen Darbietung übergegangen, welche auch nach ihrer Inszenierung und ihrem Zusammenspiel mit dem Thema (Enredo) der Samba-Schule bewertet wird.

ENREDO

Dies ist das “Thema” – die Geschichte, welche von der Samba-Schule während ihrer Parade erzählt wird – etwa wie Theater-Szenen unter freiem Himmel. Bis in die 60er Jahre waren es ausschliesslich historische Themen, die sich auf Persönlichkeiten oder Epochen der brasilianischen Geschichte konzentrierten. Gegenwärtig entwickelt man als “Parade-Themen” neue künstlerische Konzeptionen – von alltäglichen Themen des modernen Lebens angefangen, über politische Krisen, gesellschaftliche Probleme, Kritik und Satyre, bis zur Religion und Metaphysik ist dieser Bogen gespannt. Eine “Escola de Samba” entwickelt ihr Thema mittels ihrer dramatischen, musikalischen und plastisch-visuellen Elemente – dem Samba, den Themen-Riegen, den Kostümen, den allegorischen Wagen und auch den Gesten ihrer Komponenten. Schulen wie zum Beispiel die “Mocidade Padre Miguel” bevorzugen fiktive Themen – die “Imperatriz” liebt historische und die “São Clemente de Botafogo” setzt auf satyrische Themen. Die Juroren bewerten vor allem, ob die Idee des Themas auch gut definiert worden ist – ob die Kostüme und allegorischen Wagen mit dem Thema harmonieren – ob die Reihenfolge der einzelnen Parade-Inhalte mit dem Text der Geschichte übereinstimmt – und schliesslich bewerten sie auch die Kreativität und Originalität des jeweiligen dargestellten Themas.

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