5. Februar 2012 - 19:07h | Aktualisiert: 16. September 2013 - 21:34h

Karneval in Rio de Janeiro » Seite 2

Einblicke in die unvergleichlichen Samba-Paraden unter dem Zuckerhut

Jede “Escola de Samba” wählt jährlich ein bestimmtes Thema, unter dem ein “Samba-Enredo” komponiert, die Festwagen dekoriert, und die Kostüme entsprechend abgestimmt werden – Arbeit für ein ganzes Jahr! Nach diesen einzelnen Komponenten wird die Parade – neben einer Portion anderer Einzelheiten, wie Rhythmus, Choreographie, Präsentation, Harmonie der Gruppe etc. – dann auch von den Preisrichtern beurteilt. Jedes Jahr steigt eine Escola mit den besten Punktzahlen aus der Ersten Liga in die Grupo Especial auf – und dafür eine Escola, mit den wenigsten Punkten, aus der Grupo Especial in die Erste Liga ab. Genauso tauschen sich die entsprechenden Gewinner und Verlierer zwischen Erster und Zweiter Liga jährlich aus – sowie zwischen Zweiter und Dritter. Für die Gewinner der Grupo Especial gibt es auch einen Geldpreis, der aus den Zuschauer- und Werbeeinnahmen des “Sambódromo” gestaltet wird. Die Ehre allerdings, Mitglied einer Gewinner-Escola der Grupo Especial zu sein, ist unbezahlbar.

Die Reihenfolge der einzelnen Paraden der Grupo Especial wird durch das Los bestimmt. Jede dieser Escolas tritt mit 3.000 bis 5.000 Teilnehmern an, aufgeteilt in durchschnittlich 28 Alas mit ca. sieben “Carro Alegórico” genannten Motivwagen. Den Teilnehmer werden jeweils genau 82 Minuten Zeit für ihre Parade zugestanden – ein Überschreiten dieses Zeitlimits kostet sie wertvolle Punkte. Auf den Tribünen haben 60.000 Zuschauer Platz. Die Paraden beginnen in der 700 Meter langen Arena des Sambódromo jeweils um 21.00 Uhr und dauern pro Festtag etwa 12 Stunden. Das bedeutet, dass die letzten zwei Paraden bereits im Licht des folgenden Morgens durchgeführt werden. Die meisten Touristen halten jedoch diesen Marathon nicht durch.

Wohl aber die einheimischen Fans, die natürlich dabei sein wollen, wenn ihre Escola den Laufsteg betritt, denn von ihrem Beifall und ihren Anfeuerungsrufen hängt weitgehend deren Performance ab. Wenn dann der Jahressieger feststeht, das heisst, im Moment des letzten Punkte-Durchgangs hochgerechnet werden kann, bricht nicht nur ganz Rio, sondern das ganze Land in einen Freudentaumel aus, und wie bei einer Fussballmeisterschaft krachen überall die Kanonenschläge eines Freuden-Feuerwerks – nur Rios Hunde verkriechen sich mit eingezogenem Schwanz in irgend einer dunklen Ecke und warten zitternd auf das Abschwellen der Knallerei. Die siegreiche Escola de Samba veranstaltet noch am gleichen Mittwochabend ein Freudenfest in ihrem “Barracão”, dem Sitz des Vereins, zu dem es Freibier gibt, für jeden, der mitfeiern möchte!

Auch den zweiten oder dritten Platz belegt zu haben, ist eine grosse Ehre und bedeutet schliesslich auch wieder Geld in der Vereinskasse. Und um die Vereinskassen der Sieger noch ein bisschen mehr zu füllen, hat die Dachorganisation LIESA eine “Zweitpräsentation der Sieger” eingeführt, das heisst: die Escolas des ersten, zweiten und dritten Platzes dürfen noch einmal, am Samstag derselben Woche, vor dem Publikum im Sambódromo paradieren – mit allem was sie haben! Diese Veranstaltung wird “Desfile dos Campiões” genannt – die Parade der Champions.

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